Der Weg ist das Ziel – Mein Studium

Ich hatte schon immer viele Träume. Wollte schon immer die
Welt sehen und Neues kennenlernen. Lange vor meinem Abitur war mir bereits
klar, dass es mich nach der Schule ins Ausland zieht. Wohin und für wie lange
war mir schnell bewusst. Die USA kannte ich bereits aus einigen
Familienurlauben und war schon so etwas wie Heimat für mich. Zwischen
Klausuren, Abilernstress und Prüfungen habe ich mich also in alle Richtungen
schlau gemacht, die sich mir boten. Work und Travel? Freiwilliges soziales
Jahr? Au Pair?

Aus unterschiedlichsten Gründen habe ich mich für letzteres
entschieden. Ich wollte nicht von Ort zu Ort reisen, nur um mal „da gewesen zu
sein“. Sondern den amerikanischen Lifestyle in einer echten amerikanischen Familie
miterleben. Eine Entscheidung, die ich bis heute keinen einzigen Tag bereut
habe, obwohl es einige Höhen und Tiefen gab.
Ich habe mich während meiner Schulzeit über
unterschiedlichste Berufsgruppen informiert, einige Praktika gemacht und war im
ständigen Austausch mit Freunden und Bekannten, aber auch Fremden über ihre
Erfahrungen in ihrem Beruf. Vieles klang interessant, manches aber überhaupt
nicht. Weder zum Zeitpunkt meines Abiturs, noch meiner Ausreise in die Staaten,
wusste ich, wo mein Weg nach meinem Auslandsaufenthalt hinführen soll.
Über meinen zukünftigen Beruf wusste ich zu diesem Zeitpunkt
nur eines: Er soll abwechslungsreich sein, mich auf positive, erfrischende Art
und Weise fesseln. Ich konnte und kann mir bis heute nicht vorstellen, mein
restliches Leben lang Tag für Tag die gleiche Tätigkeit auszuüben. Ich bin kein
Gewohnheitstier. Ich strebe immer nach neuen Dingen.
Im Ausland hörte ich fast wöchentlich Fragen wie: „So, what
are your plans in the future? Which university program are you interested in?“…
Ich hatte keine Antwort. Tage und Nächte durchforstete ich
das Internet über Studiengänge in meiner Heimatstadt und anderen Großstädten
Deutschlands. Fast wöchentlich änderte ich meine Meinung darüber, was mir
spannend erschien und was ich mir vorstellen könnte.

Und so beschloss ich an einem Sonntag bei Starbucks in
Chicago einfach ein paar Bewerbungen rauszuschicken. Das Spektrum meiner Phantasien
hätte kaum größer sein können. Denn in den folgenden Stunden bewarb ich mich
für Journalismus an einer privaten Hochschule, Immobilienwirtschaft an einer
Fachhochschule, eine Ausbildung zur Pilotin bei der Lufthansa, BWL an einer
Universität und für andere Möglichkeiten, die ich entweder vergessen oder
verdrängt habe. Viele haben mich dafür belächelt.
Auf Fragen wie „Gibt es nichts, was dich interessiert?“
antwortete ich ehrlich, aber irgendwie auch beschämt „Oh doch – mich
interessieren endlos viele Dinge. Aber ich kann mich eben nicht entscheiden,
weil ich am liebsten alles mal ausprobieren würde.“
Ich verspürte immer mehr Druck meiner Außenwelt, der mich
verunsichert und verwirrt hat. Ich habe mich gefragt, ob es nichts auf der Welt
gibt, für das ich brenne und das ich richtig gut kann.
Und so habe ich letzten Sommer die USA verlassen, ohne Pläne
für meine Zukunft im Gepäck. Ich war enttäuscht darüber, dass mir auf meiner
Reise kein Blitzgedanke kam, so wie man immer sagt. Denn die Bewerbungsfrist
für das kommende Semester war so gut wie vorbei und ich wollte endlich
weiterkommen. Viele meiner Freunde hatten sich bereits für eine Ausbildung oder
ein Studium entschieden. Waren einen Schritt weiter. Andere wussten schon seit
ihrer Kindheit, was sie später mal sein möchten und haben dieses Ziel immer
verfolgt. Das habe ich bewundert und mich oft gefragt, warum es mir nicht so
geht.
An diesem Punkt war meine Mama wieder einmal die, die einen
kühlen Kopf bewahrte. Sie sagte mir, ich solle mir Zeit nehmen und mich nicht
unter Druck setzen lassen. Und weil ich aus Erfahrung weiß, dass sie immer Recht
hat, habe ich ihr vertraut. Ich habe mir ein halbes Jahr Auszeit genommen. Ich
habe mich verliebt, mein altes Zimmer und alte Erinnerungen aussortiert, mir
einen neuen Kleiderschrank angeschafft und befüllt. Ich habe manche Tage im
Bett verbracht und bin manchmal spontan verreist. Ich habe immer nur das
gemacht, worauf ich in dem Moment gerade Lust hatte.
Am Ende dieser sechs Monate Auszeit habe ich mich bei meiner
Wunschuniversität für einen tollen Studiengang beworben, mit sehr viel Glück
einen Platz bekommen und mich eingeschrieben.

Letzte Woche hat mein zweites Semester begonnen. Ich gebe
zu. Noch immer weiß ich nicht, ob es das Richtige oder Endgültige ist. Ich
werde vielleicht nie wissen, wie es gewesen wäre, mich für eine andere Richtung
zu entscheiden. Aber ich weiß dank meiner Pause für mich selbst, wer ich bin,
was ich möchte und was mir gefällt. Das ist mir momentan wichtiger. Und das
genieße ich sehr. Denn manchmal ist es ganz gut, keinen Plan zu haben. Das
weitet das eigene Sichtfeld enorm und öffnet uns ganz neue Chancen und
Möglichkeiten. Und oftmals ist der Weg das Ziel.

Wie geht oder erging es euch? Gab es einen besonderen Punkt, der euch zu eurer Berufsentscheidung verholfen hat? Lasst es mich gerne in den Kommentaren wissen. Ich freue mich sehr auf den Austausch! 

5 thoughts on “Der Weg ist das Ziel – Mein Studium

  1. Das ist ein wirklich toller Blogpost! Das Thema Studium ist wirklich sehr schwierig, es gibt einfach so viele Möglichkeiten und da da passende für sich zu finden ist wirklich eine große Herausforderung! was genau studierst du denn jetzt? 🙂 ich bin momentan im ersten Semester bin aber irgendwie nicht ganz glücklich mit meinem Studium

    1. Danke dir! Da hast du Recht! Die Suche nach dem richtigen Studiengang oder der richtigen Ausbildung ist sicherlich für viele nicht einfach. Schließlich ist das der erste Schritt ins Berufs- und Erwachsenenleben. Ich studiere mittlerweile Mediapublishing an der Hochschule der Medien in Stuttgart. Aber auch ich war mir anfangs sehr unsicher. Ich kann dir nur raten, noch ein bisschen abzuwarten. Aller Anfang ist schwer. Bei mir hat es auch eine Weile gedauert, bis ich mich zurecht gefunden habe und wusste, wie Studieren eigentlich "geht".
      Solltest du dich aber weiterhin unwohl mit deiner Wahl fühlen, ist ein Umstieg auch kein Beinbruch. Das haben schon so so viele gemacht!
      Ich drücke dir auf jeden Fall die Daumen, dass du den richtigen Weg für dich findest. Und da bin ich auch ganz zuversichtlich.
      Liebe Grüße an dich!
      Lisa

  2. Ein toller Blogpost! Es ist wirklich schwierig bei sovielen Studiengängen den richtigen für sich zu finden! Was studierst du denn jetzt?:) ich bin jetzt im ersten Semester und leider nicht so ganz glücklich mit meinem Studium.

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